Entwurfsressource Nutzungsspur – Planer als Logistiker.

Entwurfsressource Nutzungsspur – Planer als Logistiker.

Leerstand überall. Kaufhäuser drängen sich mit leeren Schaufenstern in unser Bewusstsein – stärker als verwaiste Büroflächen, die mehr hinter Fassaden verborgen bleiben. Dennoch sind sie da, die toten Arbeitsräume. Dem gegenüber steht der Mangel an Wohnraum. Der Planungsausschuss München gab kürzlich grünes Licht für die Umnutzung von 25000 qm leerstehender Büroflächen zugunsten von dringend gebrauchtem neuem und bezahlbaren Wohnraum. Bestand zu optimieren und im Sinne der Nachhaltigkeit keine Flächen neu zu Versiegeln, sondern mit den vorhandenen räumlichen Ressourcen zu planen, wird in der Zukunft ein noch größeres Thema werden. Hier spielen die Themen Urban Mining und Zirkuläres Bauen ebenso eine Rolle wie eines der Kernthemen der Innenarchitektur: Bauen im Bestand. Dabei treten eine gründliche  Bestandsanalyse und das Denken von Innen nach Außen mehr in den Fokus. Die vorhandene Bausubstanz, Strukturen und Gegebenheiten bis zu Nutzungsspuren und Identität des Gebäudes werden zur Entwurfsressource. Insofern sind Bauen im Bestand und Zirkularität echte Geschwister: ganzheitlich gedacht schließt der sorgsame Umgang mit dem Bestand, ebenso wie das Wiederverwenden von vorhandenen Materialien und Produkten auch das Mobiliar ein. Ziel ist eine neue Raumqualität, die dabei Spielraum für Umnutzung in der Zukunft mitdenkt und ein gleichzeitig absichtsvoll ein individuelles Wohlgefühl anbietet.

Effektives zirkuläres Umbauen braucht ein Aufweichen der klassischen Leistungsphasen. Die klassische Planung wird in Teilen zu Inventur und Logistik. Die Grundlagenermittlung wird beispielsweise enorm erweitert werden. Vorhandenes wird erfasst und gleichzeitig sondiert, nach welchen Strategien es weiterverwendet werden kann. Das bedeutet auch eine Frage an die gewohnte Ästhetik von Raumtypologien: Wie können Räume aussehen, die Wiederverwendung, Reparatur und Geschichte sichtbar machen?  Die Innenarchitektur kann hier also einen wichtigen Beitrag leisten, eine Vorreiterrolle im Wandel hin zu nachhaltigem Umbauen übernehmen und Geschichten weitererzählen.  Egal welche Schritte für welches Projekt zum Tragen kommen werden, eines ist auch klar: Wir werden es nur gemeinsam in lokal gedachten Netzwerken der Projektbeteiligten schaffen können. Wir werden nicht nur interdisziplinär, sondern `interprojektär` arbeiten. Je nach Projektfokus werden sich unterschiedliche Schwerpunkte im Kontext Standort- und Immobilienstrategie, Planung, Ausbau, Einrichtung, Logistik, Change und Projektsteuerung ergeben. Wir freuen uns auf diese sinnstiftende Aufgabe und vor allem darauf, diese Herausforderung gemeinsam mit Ihnen zu meistern!


Wenn wir Ihr Interesse am Thema wecken konnten, haben wir noch einen Veranstaltungshinweis für Sie:
Am 15.07.2026 wird das db md Symposium »anders! bauen im Bestand«– Wege zur Bauwende am Hospitalhof Stuttgart stattfinden. Falls das für Sie eine zu weite Anreise bedeuten würde, ist eine Teilnahme auch per Livestream möglich.
Unsere Kollegin Frau Berghammer ist Teil des Diskussionspanel „CircleNow: Wie mit Kollaboration in Planen, Bauen und Ausstatten Zirkularität gelingt“.

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